Monique Ryser


 

Politische Beratung, Publishing
Inhaberin Citoyennes, Bern

Club: BPW Bern / Immediate Past President BPW Switzerland

Monique Ryser

Bloss nicht schlappmachen!


Am 13. Juni 2015 ist Monique Ryser als Präsidentin von BPW Switzerland zurückgetreten. Grund genug, sie genau jetzt als „Frau des Augenblicks“ zu befragen. Aus ihren Worten spricht ein unermüdlicher Wille, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen – und gleichzeitig ein grosser Stolz darüber, eine BPW zu sein.
  
Bettina Zimmermann: Sie sind eine sehr engagierte BPW - Präsidentin BPW Thun, im Vorstand Bern, im Zentralvorstand, 1. Kampagnenleiterin Equal Pay Day Schweiz, seit 2009 Vizepräsidentin und seit 2011 Präsidentin BPW Switzerland. Was war Ihre Motivation, sich für BPW zu engagieren?
Monique Ryser: Bereits bei meinem ersten Besuch im Club Thun, das müssen jetzt an die 20 Jahre her sein, fühlte ich mich in der Gemeinschaft so toller Berufsfrauen wohl. Der Austausch über berufliche Themen, das Zusammensein, das gleiche «Ticken» war für mich, die ich mich in einer sehr männlichen Berufswelt bewegte, eine Offenbarung. Und es war und ist Erholung.
 
BZ: Wenn Sie auf Ihre Zeit als Zentralpräsidentin zurückschauen, welche Themen haben Sie besonders beschäftigt?
MR: Dass die Männer nach wie vor die Deutungshoheit über unser Leben und unseren Alltag haben.
Wenn die Statistik seit Jahren eine unerklärbare Lohndifferenz zwischen Frau und Mann ausweist, heisst es: die Statistik ist falsch.
Wenn Frauen sagen, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Haushalt sei mit den heutigen Strukturen fast nicht zu machen, heisst es: Ihr müsst euch halt organisieren.
Wenn Frauen fordern, dass sie gleichwertig auf allen Hierarchiestufen vertreten sein wollen, heisst es: Ja, das ist nicht so einfach, es gibt gar nicht genügend qualifizierte Frauen.
Wieso wird nicht für bare Münze genommen, was Frauen sagen? Und wieso realisieren die Männer nicht, dass das Beharren auf alten, tradierten Muster in jedem Fall in den Niedergang führt und eine erfolgreiche Zukunft nur möglich ist, wenn sich alle weiterentwickeln und alte Denkmuster durch neue Ideen ersetzt werden?
 
BZ: Auf welche Meilensteine in Ihrer BPW Karriere sind Sie besonders stolz?
MR: Ich bin nicht stolz auf mich, sondern stolz auf diesen grossartigen Verband der BPW! Ohne unsere Vorgängerinnen hätte ich nie das Leben führen könne, das ich leben kann. Dass ich in meiner Zeit meinen Teil vor allem im Bereich Lohngleichheit und besserer Vertretung der Frauen in Führungspositionen beitragen konnte, ist mir Freude und Ehre, aber auch Verpflichtung. Ich bin zutiefst überzeugt, dass jede von uns sich genau dort für die Gesellschaft und eine bessere Welt einsetzen muss, wo sie sich gerade befindet, mit genau den Fähigkeiten, die sie hat. Damit das überhaupt möglich ist, braucht es einen Verband wie BPW, der den Weg freimacht, dass jede einzelne Frau ihre Ziele ohne geschlechterbegründete Schikanen realisieren kann. So ist auch die Quotenforderung zu verstehen: Wir als Verband kämpfen dafür, damit genügend Druck entsteht, dass dann die einzelne Frau davon profitieren kann. Denn: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass eigene Erfolge nur von einem selber und der eigenen Leistung abhängen. Es muss immer auch das Umfeld stimmen und das wird von uns allen gestaltet.
 
BZ: Sie sind eine grosse Befürworterin der Frauenquote. Dieses Thema spaltet selbst Frauen in zwei Lager. Was können Frauen an sich selber ändern, um unabhängig davon, ob die Quote kommt oder nicht, im Beruf weiter zu kommen?
MR: Es gibt Bibliotheken voll Lektüre zum Thema, was Frauen alles an sich verändern und wie sie sich verhalten sollen. Finde nur ich das eine Zumutung? Jede Frau – und auch jeder Mann! – soll für sich heraus finden, welches Lebensmodell das richtige für sie ist. Und das soll sie leben: Mit Stolz, sich manchmal glücklich und manchmal traurig fühlend, mit allen Erfolgen und Misserfolgen, mit Mut und Verzagtheit – alles auskosten, was das Leben bereithält. Bereit sein, die Konsequenzen ihres Tuns zu tragen und auch dankbar sein, für all das, was andere Frauen für uns erstritten und erlitten haben.
 
BZ:Sie haben eine journalistische Laufbahn, angefangen bei der Berner Zeitung, dann als Bundeshausjournalistin und Mitglied der Chefredaktion bei der Schweizer Illustrierten und als selbständige Beraterin bei citoyennes. Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?
MR: Dass ich ganz ohne schlechtes Gewissen neugierig sein und alle alles fragen darf. Ich lerne Menschen kennen, die durch aussergewöhnliche Leistungen zu aussergewöhnlichen Persönlichkeiten geworden sind, das ist ein grosses Privileg. Dass ich diese Menschen auch durch Zeiten des Erfolgs und Misserfolgs begleiten darf, macht auch demütig – Erfolg ist flüchtig und ein unzuverlässiger Geselle. Alle, die etwas bewegen wollen, sind immer nur einen ganz kleinen Schritt vom Absturz entfernt. Ich bin deshalb allen dankbar, die es trotzdem wagen und bin – zumindest meistens – dann auch ziemlich milde in meinen Urteilen über andere.
 
BZ: Womit werden Sie Ihre frei gewordene Zeit nun füllen?
MR: Endlich all die Mittagessen und Apéros – auch mit vielen BPW – einlösen, die ich immer wieder verschiebe.
 
BZ: Wer ist Monique Ryser ausserhalb von BPW?
MR: Die gleiche, die sie auch bei BPW ist. Fordernd und mit calvinistischem Arbeitseifer – was für mein Umfeld nicht sehr angenehm ist; besessen, wenn es gilt, eine Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, unermüdlich, wenn eine Sache es wert ist und glücklicherweise mit einem fröhlichen Gemüt ausgestattet. Für letzteres kann ich nichts und danke deshalb dem Himmel ziemlich häufig dafür!
 
BZ: Welches ist Ihre persönliche Botschaft an uns BPW?
MR: Die ehemalige Ständerätin Yvette Jaggi hat mal gesagt: Il ne faut pas mollir, also: Wir sollen nicht kneifen, nicht Angst haben. Das Wort hat im französischen eine zweideutige Bedeutung (erschlaffen), bezogen auf etwas sehr Männliches – und deshalb ist es ein provokatives Wortspiel, mit wahrer Aussage und einer grossen Portion Humor. Perfekt, oder?